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Die neue Tagesschau: Angekommen im 21. Jahrhundert

Die Tagesschau ist mit ihrem neuen Studio on air – endlich. Anderhalb Jahre Verzögerung hatte es gegeben. Am Samstag nahm der neue, 24 Millionen Euro teure Stolz von ARD-Aktuell mit der traditionsreichen 20-Uhr-Hauptausgabe dann seinen Betrieb auf. Alle Tagesschau-Ausgaben, die Tagesthemen, das Nachtmagazin und der Wochenspiegel im Ersten, sowie die Tagesschau-Nachrichten auf Tagesschau24 werden nun aus dem neuen Studio gesendet. Jetzt, da sich das neue Studio seit ein paar Tagen im regulären wochentäglichen Betrieb befindet und auch das Erscheinungsbild des Nachtmagazins bekannt ist (nur der Wochenspiegel fehlt noch), ist es Zeit für ein paar Gedanken von meiner Seite.

Wolle man das deutsche Fernsehen mit nur einem Wort beschreiben, so böte sich der Begriff „Institutionalisierung“ an. Mir scheint es, als sei diese gerade ein Merkmal des deutschen Fernsehens. Die drei großen Institutionen im deutschen Fernsehens sind wohl Wetten, Dass…? im Show-Bereich (war es zumindest mal), der Tatort im fiktionalen Bereich und natürlich die 20-Uhr-Ausgabe der Tagesschau im Bereich Nachrichten. Alle drei sind beinahe soetwas wie allgemeines Kulturgut dieser Nation und stehen daher unter besonderer Beobachtung. Man kann darüber streiten, ob die heftige Kritik im Falle von Wetten, Dass…? nicht sogar auch eine Ursache für den Niedergang und das Ende der Sendung war. Und auch über den Tatort wird Sonntag für Sonntag vorallem auf Twitter diskutiert, was das Zeug hält.

Bei der Tagesschau wird üblicherweise nicht über jede Ausgabe so harsch und viel diskutiert, weil sich im Grunde von Sendung zu Sendung abgesehen von den Themen an sich nichts ändert. Das ist das nun einmal das Wesen von Nachrichtensendungen. WENN sich bei Deutschlands Nachrichteninstitution Nr. 1 aber etwas ändert, dann wird lautstark diskutiert und kritisiert. Bei Twitter schaffte es der Hashtag #Tagesschaustudio am Samstagabend auf Platz eins der deutschlandweiten Trends. Die 24 Millionen Euro Kosten, die in den Ohren der meisten Menschen enorm hoch klingen, dürften Spannung und Erwartungshaltung zusätzlich in die Höhe getrieben haben.

15-minütige NDR-Dokumentation zum neuen Studio

Polarisiert hat vorallem die akustische Aufmachung, speziell die neu-arrangierte Tagesschau-Fanfare, die doch viel altmodischer daherkommt, als es man es erwartet hätte. Die neue Fanfare erinnert stark an vergangene Tagesschau-Zeiten und viele dürften sich um ein paar Jahrzehnte zurückversetzt gefühlt haben, als sie am Samstagabend erstmals erklang. Das ist natürlich als klares Bekenntnis zur großen Tradition der Tagesschau und soll zeigen: die Tagesschau bleibt die Tagesschau, ein fester Anker in der Nachrichtenwelt. Die Abspann-Melodie hingegen erinnert leicht an die Pathetik amerikanischer Nachrichtensendungen.

Die Kamerafahrten im Intro und Outro der jeweiligen Sendungen sind imposant und ruckelfrei. Wie DWDL.de bereits anmerkte, fällt im Intro zu den Tagesthemen aber auf, dass der Moderator recht lange nach unten auf seinen Zettel schauen muss, um die Sprecher-Stimme aus dem Off „Heute im Studio:…“ abzuwarten, obwohl die Kamera bereits sehr nah dran ist. Das wirkt etwas merkwürdig. Auch der kurze „Walk“, den die Moderatorin beim Opening des Nachtmagazins hinlegen musste, wirkte noch nicht ganz natürlich. Am Mittwoch gab es dann aber ein Opening mit Video-Intro und ohne Kamerafahrt – eine dauerhafte Änderung?

Wie erwartet sind die Veränderungen in der 20-Uhr-Ausgabe am geringsten spürbar. Die Neuheit, die angepriesen wurde, die aber keine ist, weil es genau das schon mal vor Jahrzehnten gab: großformatige Bilder, die den gesamten Hintergrund hinter dem Sprecher ausfüllen. Zudem bietet die Videowand im Opening eine großformatige bildliche Vorschau auf die Themen des Tages. In den anderen moderierten Tagesschau-Ausgaben und besonders in den Tagesthemen und im Nachtmagazin kommt die Medienwand wie erwartet stärker zur Geltung. Sie soll wohl auch 3D können. Ansatzweise kann man das schon am Standard-Hintergrund erkennen, wo es so wirkt, als ob die Karte im Vordergrund eine Art Schatten auf eine hintere Ebene wirft. Und auch sonst sieht die Medienwand besser und hochwertiger aus als jede andere, die ich je im Nachrichtenfernsehen gesehen habe.

Beim Infokanal Tagesschau24 hätte ich mir ein wenig mehr Mut zur Präsentation gewünscht. Das Intro ist hier doch sehr kurz geraten und beinhaltet auch keine Kamerafahrt – allein nach den vom Ersten übernommenen wochentäglichen Tagesschau-Ausgaben stellt eine längere Kamerafahrt quer durch das Studio den Übergang zu den Tagesschau24-Nachrichten dar. Interessant: Hier wird der Zuschauer Zeuge, wie der Moderator der vorherigen Tagesschau-Ausgabe seinen Platz am rechten Tisch verlässt und sich der Tagesschau24-Moderator am anderen Tisch auf seinen Einsatz vorbereitet. Insgesamt gefällt mir das Redesign des Senders gut, auch wenn es weiterhin nur eine Nachrichtenstrecke mit formatierten Nachrichten gibt und der Breaking-News-Charakter eines echten Nachrichtensenders natürlich fehlt (mehr dazu: Bekommt Deutschland jemals einen 24/7-Nachrichtensender?).

Angepriesen wurde von ARD-Aktuell-Chefredakteur Kai Gniffke im Vorfeld mehrmals, dass es sich nicht um ein virtuelles Studio mit Greenscreen-Verfahren handelt. Alles, was der Zuschauer sieht, sei auch real für die Moderatoren sichtbar. Im deutschen Nachrichtenfernsehen ist dies tatsächlich fast ein Alleinstellungsmerkmal. Meines Wissens nach hat nur N24 noch ein reales Studioset. In den letzten fünfzehn Jahren fand eine regelrechte „Virtualisierung“ deutscher Nachrichtenstudios statt, was ich sehr schade finde. Vorallem bei der Mediengruppe RTL schien man regelrecht fasziniert von den Möglichkeiten und der Nützlichkeit virtueller Studios und auch beim ZDF war man euphorisiert. Die Vorteile liegen ja auch auf der Hand. Letztendlich wirkt alles aber eben immer noch virtuell – und somit oftmals kalt und unpersönlich und wie abgeschnitten von der realen (Nachrichten-)Welt.

Im angloamerikanischen Raum, welcher ja stilprägend für die Nachrichtenpräsentation auf der Welt war und immer noch ist, hat diese Entwicklung in diesem Maß nicht stattgefunden. Reale Studiosets mit Blick in den Newsroom, Screens und Videowalls prägen das Bild. Virtuelle Studios werden nur für Erklärmodelle genutzt. Bei RTL hat man zumindest bereits erkannt, dass man es bei seinen Nachrichten mit der Virtualität etwas übertrieben hat. In die Frühsendung „Guten Morgen Deutschland“ hat man wieder reale Elemente eingebaut, wie den Blick auf Kölner Dom und Rhein (DWDL.de Interview mit Peter Kloeppel). Dass man beim ZDF oder bei RTL demnächst aber wieder voll und ganz auf reale Studiosets setzt, ist mehr als unwahrscheinlich, haben beide doch erst vor vier bzw. fünf Jahren mit neuen Nachrichtenstudios jeweils eine neue Ära eingeleitet.

So ist es doch erfreulich und eine Wohltat für die Augen, dass zumindest ARD-Aktuell nicht mit dem Strom geschwommen ist und sich für die reale Variante entschieden hat. Es wirkt authentischer und die Nachrichten damit glaubwürdiger (Schon im alten Studio war seit einigen Jahren übrigens alles real). Man schreckt auch nicht davor zurück, in den Closings einiger Tagesschau-Ausgaben mal eine Kamera zu zeigen, wie es z.B. 1997 bis 2005 schon der Fall war. Das ist schön. Das darf man als Zuschauer auch ruhig mal sehen. Nachrichten sind schließlich keine Show, in der keine Hinter-den-Kulissen-Einblicke abseits spezieller „Hinter-den-Kulissen-Specials“ erlaubt sind.

Fazit:
Alles real –  gut so! Echt wirkt auch glaubwürdiger. Optisch sind das neue Studio und Design top, alles wirkt seriös, die Intro- und Outro-Kamerafahrten sind elegant und spiegeln den Anspruch von ARD-Aktuell wider, Nachrichtenanbieter Nummer 1 im deutschen TV zu sein. Das neue Arrangement der Fanfare ist überraschend old-fashioned und staatstragend, eine klare Bekennung zur großen Tradition, aber auch stark polarisierend. Die anderen Musik-Elemente sind eher zurückhaltend, klingen jedoch erhaben und wertig. Inwieweit die Medienwand mehr kann als „nur“ großformatige Panorama-Bilder zu zeigen, an der die Moderatoren entlang spazieren (Stichwort: 3D), muss sich noch zeigen. Fest steht: Die ARD hat jetzt DAS Nachrichtenstudio im deutschen Fernsehen und ist bei der Nachrichtenpräsentation endlich angekommen im 21. Jahrhundert.

Zusammenschnitt der Vor- und Abspänne der Sendungen von ARD-Aktuell
Die erste Woche im neuen Tagesschau-Studio (tagesschau.de)

Weitere Meinungen zum neuen Studio von ARD-Aktuell:
DWDL.de: Die 70er Show: Über die neue alte „Tagesschau“
Design Tagebuch: Tagesschau sendet aus neuem Studio
FAZ.net: Heiligsprechung in den Hauptnachrichten
Süddeutsche.de: Optisch hui, akustisch pfui
Spiegel Online: Taa, taa, ta-ta-ta … tja
Berliner Morgenpost: Wenn die „Tagesthemen“ zum Melodram werden
Reaktionen bei Twitter
TV Forum: New studio for Germany’s Tagesschau news (Englisch)

 

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Bekommt Deutschland jemals einen 24/7-Newssender?

Die neuesten Ereignisse in der Ukraine, die man mittlerweile als historisch bezeichnen darf, zeigen es mal wieder besonders deutlich: Wenn es irgendwo auf der Welt kracht, wenn ARD und ZDF allabendlich Brennpunkte und ZDF Spezials heraushauen und die internationalen Nachrichtensender zumindest stündlich ausführlicher mit Korrespondenten live vom Ort des Geschehens berichten, dann tun n-tv und N24 – genau – NICHTS. Von ihrem gewohnten Sendeschema mit Dokumentationen und Reportagen, unterbrochen durch stündliche Kurznachrichten, weichen sie nicht ab – schon gar nicht abends und am Wochenende.

Nun kann man argumentieren, dass es ja reicht, wenn man stündlich kurz über die neuesten Entwicklungen informiert wird oder abends ausführlich in den Hauptnachrichtensendungen. Und wenn man es gar nicht abwarten kann, gibt es ja noch das Internet. Und außerdem: Wer gut Englisch kann, der schaut BBC World News, CNN International oder einen anderen internationalen Newssender. Da gibt es ja mit Euronews sogar einen, der auch in deutscher Sprache sendet. Und ja, das stimmt auch. Eigentlich reicht das auch. Aber ist es zu viel verlangt, wenn man auf dem größten Fernsehmarkt Europas mit unzähligen Free-TV-Kanälen nach einem guten Newssender fragt? Ich will mich darüber nicht mehr empören. Das habe ich schon oft getan und auch andere. Beispielsweise Thomas Lückerath von DWDL.de, als 2011 in Libyen Geschichte geschrieben wurde.

Vielmehr möchte ich hier einige Überlegungen ausführen, wie wir in Deutschland endlich einen 24/7-Nachrichtensender bekommen könnten. Ich rede von einem nationalen Nachrichtensender, der wirklich den Großteil des Programms von 6 bis 0 Uhr mit Live-Nachrichtensendungen bestreitet und bei wichtigen Breaking News sein Programm entsprechend ändert – auch abends nach acht, auch am Wochenende. Dies gilt für nationale als auch für internationale Ereignisse. Nachrichtensender wie BBC News und Sky News im Vereinigten Königreich oder BFM TV in Frankreich.

BBC News ist öffentlich-rechtlich und wird durch Gebührengelder der Briten finanziert. Sky News gehört zu British Sky Broadcasting und damit zum Medienimperium von Rupert Murdoch. Der Sender mag zwar gut fürs Image sein, arbeitet aber defizitär. Klar, ein guter Nachrichtensender kostet einiges an Knete. Bislang scheint man das bei BSkyB aber in Kauf genommen zu haben. Bei BFM TV kenne ich mich nicht wirklich aus. Bekannt ist mir nur, dass der Sender ebenfalls privat finanziert wird.

Ein deutsches Sky News?

Beginnen wir mit dem Möglichkeit der privaten Finanzierung. Nach den bisherigen Entwicklungen muss man davon ausgehen, dass sich ein echter 24/7-Nachrichtensender in Deutschland klassisch privatwirtschaftlich mit Werbung finanziert nicht tragen kann. Im Kapitel 16 in The Rise of 24-Hour News Television: Global Perspectives kommen Carsten Reinemann und Nayla Fawzi zu dem Schluss, dass Marktkräfte dazu geführt haben, dass n-tv und N24 zu Dokumentationskanälen geworden sind. Das klingt plausibel. Ich persönlich kann mir jedoch nicht vorstellen, dass sich in Deutschland mit 80 Millionen Einwohnern und einer hohen Unternehmensdichte ein Nachrichtensender nicht refinanzieren kann, in Großbritannien und Frankreich aber schon. Zumindest in Großbritannien scheint dies aber ebenfalls nicht der Fall zu sein. Von daher hätten wir hier eine Gemeinsamkeit. Der Unterschied ist, dass es in Großbritannien trotzdem einen kommerziellen 24/7-Newskanal gibt.

Ein privatrechtlicher 24/7-Nachrichtensender kann sich also in Deutschland nicht tragen. Er kann nur existieren, wenn sein Besitzer bzw. sein Mutterkonzern hierbei nicht den finanziellen Gewinn im Auge hat, wie bei Sky News in Großbritannien. Ich habe mich deshalb schon gefragt, ob Sky Deutschland nicht schon Pläne zum Start eines Nachrichtensenders schmiedet und dabei auch N24 im Auge gehabt. Da hätte man ein fertiges top-modernes Sendezentrum im Herzen Berlins gehabt. Bekanntlich soll aber N24 jetzt Springer dabei helfen, Bild und Welt zu multimedialen Medienmarken zu machen.

Zurück zu einem imaginären deutschen Sky News: Um die Sportberichterstattung würde sich freilich Sky Sport News HD kümmern, aber ein richtiger Nachrichtensender wäre trotzdem noch mal eine andere Nummer als ein Sportnachrichtensender. Zudem würde man damit ins Free-TV hervordringen. Wenn man in Großbritannien in Kauf nimmt, dass Sky News defizitär arbeitet, warum sollte man das nicht auch in Deutschland tun? Zumal auch Sky Sport News HD erst mal teuer sein dürfte. Und daran hat man sich ja bereits gewagt.

Wie ein öffentlich-rechtlicher Nachrichtensender in Deutschland aussehen könnte

Ich selbst halte es trotzdem für unwahrscheinlich, dass Sky das noch vor hat, denn sonst hätten sie es meiner Meinung nach schon getan. So wäre wohl die öffentlich-rechtliche Variante die einzig verbliebene Möglichkeit, einen 24/7-Nachrichtensender in Deutschland zu bekommen. Hier gibt es mit dem Ereignis- und Dokumentationskanal Phoenix sowie dem Digitalkanal tagesschau24 zwei „nachrichtensenderähnliche“ Kanäle. Tagesschau24 bietet zwar wochentags von 9 bis 20 Uhr und am Wochenende von 12 bis 18 Uhr durchgehend aktualisierte Tagesschau-Nachrichten, das Programm ist aber starr, es gibt keine Breaking News und keine Ausweitung der Nachrichtenstrecke. Phoenix überträgt Bundestagsdebatten und berichtet manchmal auch live von anderen Ereignissen, ist aber davon, ein Nachrichtensender zu sein, ebenso weit entfernt wie tagesschau24. Das ist auch ok so, beide Sender erfüllen schließlich ihren jeweiligen Auftrag.

Es läge also zunächst einmal an der Medienpolitik, den Auftrag für die Schaffung eines ö-r Nachrichtensenders zu geben. Stellt sich die Frage: In welcher Form könnte der dann im bestehenden komplizierten öffentlich-rechtlichen System organisiert sein? Und das möglichst beitragsneutral? Ohne Beitragserhöhung ginge es sicher nur, wenn Kompromisse gemacht würden, z.B. die Einstellung anderer Sender, denn Nachrichtenfernsehen ist teuer.

Als eher unrealistisch sehe ich die Varianten, dass das ZDF allein einen Nachrichtensender stemmt bzw. die eines gemeinsam von ARD und ZDF veranstalteten Nachrichtensenders. Das ZDF wäre alleine wohl nicht in der Lage, ohne gewaltigen Aufwand und signifikante Gebührenerhöhung einen eigenen Nachrichtensender zu stemmen. Auch ein gemeinsamer ARD/ZDF-Nachrichtensender wäre unrealistisch, da somit eine neue gemeinsame Nachrichtenmarke von ARD und ZDF geschaffen würde, was eine Schwächung der Marken Tagesschau und heute zur Folge hätte, die ja ohnehin bereits als öffentlich-rechtliche Nachrichtenmarken koexistieren müssen. Organisatorisch wäre das Ganze erst recht problematisch.

Am realistischsten: tagesschau24 als vollwertiger Nachrichtensender

Als die realistischste Möglichkeit schätze ich die ein, dass tagesschau24 zum 24/7-Nachrichtenkanal ausgebaut wird. Es wäre kein Rebranding nötig und der Sender würde weiter das normale Tagesschau-Design nutzen, d.h. eine vertraute Nachrichtenmarke würde verwendet und sogar gestärkt. Was vorhandene Studiokapazitäten betrifft: Ich kenne mich nicht so gut aus bei ARD-Aktuell, aber soweit ich weiß, ist es möglich, gleichzeitig eine Tagesschau-Ausgabe für das Erste und die tagesschau24 zu produzieren. Idealerweise wäre ich natürlich für ein neues Studio mit „Newsroom-Atmosphäre“. Das lassen wir aber weg. Das müsste erst gebaut werden, das kostet wiederum und mein Szenario soll ja möglichst beitragsneutral sein.

Mein „Konzept“ sähe auch eine Einstellung von Phoenix oder zumindest dessen Degradierung als Parlamentskanal  (vgl. BBC Parliament in Großbritannien) vor. Wichtige Bundestagsreden und Breaking-News-Ereignisse gäbe es bei tagesschau24, Dokumentationen sowieso auf anderen ARD-Sendern. Diverse Talk-Formate oder auch das Nachrichtenjournal „Der Tag“ könnten auf tagesschau24 ein neues Zuhause bekommen. Die Phoenix-Räumlichkeiten- und Studios in Berlin könnten somit behalten werden. Auch viele Mitarbeiter blieben weiterhin dort. Phoenix könnte auch als separate Marke innerhalb des tagesschau24-Programms beibehalten werden und verschwände somit nicht völlig aus der Fernsehlandschaft.

Natürlich wäre es nötig, viele neue Stellen bei ARD-Aktuell in Hamburg, wo tagesschau24 angesiedelt ist, zu schaffen. Wie viel? Ich weiß es nicht. Dutzende, vielleicht auch Hunderte. Wahrscheinlich müssten die Räumlichkeiten ausgeweitet werden. Da wir hier aber bereits die größte TV-Nachrichtenredaktion Deutschlands haben, erachte ich diese Variante als die vernünftigste. Synergien können weiterhin genutzt werden, wie es jetzt schon bei tagesschau24 erfolgt. Zu guter Letzt: Zusätzliche Online-Angebote würde das Ganze praktisch nicht beinhalten, mit tagesschau.de ist alles bereits vorhanden.

Das sind natürlich alles nur Gedankenspiele. Vielleicht ist es nicht umzusetzen.

Fazit:
1. Ich halte es letztendlich für unwahrscheinlich, dass wir in Deutschland irgendwann einen Nachrichtensender nach den genannten Vorbildern bekommen.
2. Die bisherigen privatwirtschaftlichen Versuche zur Etablierung echter 24/7-Nachrichtenkanäle waren abschreckend und es lohnt sich wirtschaftlich einfach nicht.
3. Von privater Seite bräuchte man einen Akteur, der bereit ist, viel Geld zu investieren und nicht auf Gewinn aus ist.
4. Sollte je die Schaffung eines vollwertigen öffentlich-rechtlichen Nachrichtensenders im bestehenden komplizierten öffentlich-rechtlichen System im Gespräch sein,  böte sich am ehesten der Ausbau des bestehenden tagesschau24 bei ARD-Aktuell in Hamburg an.
5. Ohne die Einstellung anderer Sender wäre so ein Projekt nicht beitragsneutral umzusetzen.

Über Kritik und Anregungen freue ich mich.